18. Januar 2014 bis 22. Februar 2014

Simone Fröbel

SHOOTING GALLERY - SIMONE FRÖBEL

Ein Motor bezeichnet das Urprinzip der Bewegung und steht für jene treibende Kraft, die auf irgendeine Art und Weise die Bewegungen einer Maschine steuert. Daraus lässt sich schließen, dass der oder das sich Bewegende 'passiv' agiert: Ob Mensch oder Maschine, es besitzt keine Entscheidungsgewalt über die eigene Dynamik und ist ein blosser Transformator einer Energie in eine andere.

Bei Simone Fröbels Arbeit steht diese treibende Kraft und der in sich geschlossene Kreislauf einer Bewegung im Zentrum. Ihr inhaltliches Interesse gilt der Verbindung von absurder Idee und praktischer Funktion: Die in der Shooting Gallery / sic! Raum für Kunst präsentierte Maschine fungiert nicht als arbeitssparendes und funktionales Werkzeug sondern wird zu einer beweglichen Skulptur, die eine ursprünglich menschliche Funktion nachahmt: Ausgangsbild dafür ist die Faszination, die Lichtschalter auf Kinder auszuüben vermögen. – Das unermüdliche Spiel von Ursache- und Wirkbeziehung, das klackende Geräusch beim Betätigen des Schalters, das plötzliche Aufblitzen des Lichts. Simone Fröbel (*1990) begann bereits während des Studiums, rätselhafte wie humorvolle Maschinen und Objekte zu bauen, die sie später in der performativen Bedienung zum Rauchen, Nüsse knacken oder ein einziges Popcorn produzieren brachte.

In der aktuellen Arbeit geht die Künstlerin einen Schritt weiter: Sie stellt im Vorraum zum Ausstellungsraum eine Maschine auf, welche die Künstlerin nicht mehr als Bedienerin benötigt, sondern durch die motorisierte Bewegung ein Eigenleben entwickelt. Angetrieben von einem Akkuschrauber wird die Bewegung mittels Blechdosen und Stoffbändern auf eine rotierende Holzscheibe übertragen, die über damit verbundene Holzstäbe eine kontinuierliche horizontale Hin- und Herbewegung auslöst. Am Ende dieses Arms ist ein Türstopper befestigt, der einen Lichtschalter an und aus schaltet. Der Aufwand für diese einfache Bewegung ist beträchtlich und geht nicht ohne Widerstand von statten. Die Bänder reiben sich an Klettverschlüssen, die Achsenschraube schrammt in unregelmässigen Abständen am Metall entlang und die Büchsen ächzen und knattern unter der Drehung.

Simone Fröbel verzichtet auf den Einsatz komplexer Technik und entscheidet sich für einfache kinetische Mechanismen. In der Wahl der Materialien vertraut sie darauf, was sie im Baumarkt, Brockenhaus oder zu Hause als mögliche Bauteile findet. Die motorische Handlung der Maschine weckt das Versprechen auf einen damit verbundenen Effekt. Betritt man den dahinterliegenden Ausstellungsraum, erleuchtet eine Glühbirne den ansonsten leeren Raum und erlischt im Augenblick darauf bereits wieder. Vor dem Hintergrund der Einladung an die Künstlerin, im Rahmen einer ersten Einzelausstellung eine neue Arbeit in diesem Raum zu präsentieren, wählt Simone Fröbel eine mutige Setzung: Sie inszeniert den Raum auf einfache Weise und lenkt den Blick so auf die Beschaffenheit des Ausstellungsraumes als solchen.